Gegrüsst seid ihr Freunde!
Also ich habe gerade meinen letzten Absatz den dich geschrieben habe gelesen... Es sind 2 Tage seit dem vergangen und ich war immer noch nicht auf der Margitinsel! Es ist in den letzten beiden Tagen doch soviel passiert. Unter anderem der „Welcome and Farewell Ball“ von der Andrassy Uni am Freitag und gestern waren wir auf dem „Borfestival“ (Weinfestival) auf der Budai Vár. Ich hänge mit dem Schreiben mittlerweile auch total hinterher und werde versuchen jetzt die letzten beiden Tage ein bisschen zu beschreiben, die waren nämlich so richtig toll! J
Zunächst mal vom Andrassy Ball, bzw. dem Tag an dem er stattfand, das war Freitag Abend. Ohne Worte! Ich war sprachlos... einen Moment. Ich muss ja von vorne beginnen.
Als ich gegen Mittag noch ein paar Formulare an die Uni bringen wollte und ich in den sogenannten „Festetics Palota“ eingetreten bin, lachte mich ein wunderbares Schild an auf dem Stand: „Feierliche Eröffnung und Diplomübergabe“ mit einem Pfeil in die Richtung des Spiegelsaals. Ich dachte mir nicht sonderlich viel dabei, und nahm das Schild so entgegen wie es da stand. Es liefen meiner Ansicht nach wohl schon die Vorbereitungen für den Ball heute Abend. Deshalb ging ich einfach die Treppen hoch ins Studienreferat. Ich gab meine Unterlagen ab und wollte mich nachher noch ein bisschen in der Universität umsehen und nach dem sogenannten schwarzen Brett suchen, so sich üblicherweise immer aktuellste Informationen zu Kursen befinden. Als ich dann vor der Eingangstür zur Bücherei stand, las ich einen Zettel auf dem stand: „Eintrittkarten für den Ball könnt ihr noch heute bis 12 Uhr am Studienreferat erwerben“ ........................................... ICH wusste gar nichts von Eintrittskarten!!! Absolut gar nichts! Wäre ja einleuchtend gewesen, aber weder auf der Einladung noch im Studienreferat hat man mich darauf hingewiesen, obwohl ich über den Ball gefragt habe. Mhhh, dacht ich mir... Na Toll!. Es war ja schon nach 12 und außerdem wusste ich nicht mal wie viel der Eintritt denn nun kostet, ob ich genügend Geld dabei habe, wer da alles kommt, kommen soll – kannte ja zu dem Zeitpunkt noch niemanden.
Also maschierte zurück zum Studienreferat um mich da zu erkundigen. Dort gab man mir natürlich noch recht und schickte mich nach oben. Da würde dann ein Stand stehen, an dem Studenten wohl noch Karten verkaufen würden. Also ging ich die „Palaststufen“ hoch. Mir begegneten ausschließlich Personen in eleganter Kleidung. Alle Herren trugen Anzüge und die Damen ein elegantes Kleid oder einen Rock mit vornehmer Bluse.... Nur um das Bild mal zu perfektionieren.... Ich trug Jeans mit weißen Schuhen einem ärmelfreien Oberteil (dieses Khakigrün) und meine tolle neue rote Paristasche. Ich passte mal so absolut GAR nicht ins das Bild. Ich musste dann auch schnell erkennen das diese „Feierliche Eröffnung“ wohl schon am Vormittag lief und ich nur zufällig reingeplatzt bin. Ich bin nicht wenig aufgefallen. Ich war etwas verwirrt! J Ich fragte erneut im Studienreferat nach.... die mussten sich mittlerweile auch schon so einiges denken... dort sagte man mir: „ Ja, wenn du dabei sein möchtest, dann kannst du dabei sein“ – d.h. keine Pflicht. Nicht, dass die dann plötzlich alle Erasmusstudenten vorstellen wollen und ich da im Safarilook, mit Paristasche in einem noblen Spiegelsaal zu Brahms Ungarischem Tanz einen Auftritt der ganz besonderen Art hinlegen muss. Nein dem war nicht so. Trotzdem wollte ich mich vergewissern das es nicht so war und außerdem bin neugierig gewesen, welche Art von Veranstaltung ich da eigentlich verpasst hätte. J Naja es war wohl nur der offizielle Teil an dem die Diplomzeugnisse der Absolventen übergeben worden sind und Familie und Angehörige auch mit dabei waren. Was mir aufgefallen ist, dass sich in diesem Spiegelsaal wohl nur Menschen befanden die alle wahnsinnig gut Deutsch sprachen, entweder damit aufgewachsen oder eben erlernt. Und auch einige die Ungarische Sprache gut beherrschten. Allerdings habe ich noch keinen Deutschen kennengelernt der die ungarische Sprache erst später in seinem Leben erlernt hat und sie jetzt fließend spricht. Aber ich werde nicht aufgeben bis ich jemanden gefunden habe, nur um dann auch beweisen zu können, dass man Ungarisch auch lernen kann. Bisher meinten die meisten Deutsch/Österreicher, dass das Erlernen dieser Sprache ein großer Aufwand sei.
Auf alle Fälle war jeder dort der deutschen Sprache mächtig, und das sogar sehr gut.
Als das Abschlusswort gesprochen wurde, machte ich mich ganz flott und möglichst unauffällig auf dem Weg Richtung Ausgang. Dort war dann sowieso der Tisch mit den Ballkarten aufgestellt. Es saßen 2 Studenten an dem Tisch und drei weitere standen im halbkreis um diesen Tisch herum. Ich erklärte mein Dilemma und wollte wissen, ob es noch eine Möglichkeit geben würde noch eine Karte zu erwerben. Da sah mich einer der Jungs schräg an, verzog sein Gesicht und gab mir mit einem unsicheren Kopfschütteln zu verstehen, dass es wohl nicht möglich war. Als ich daraufhin erklärte, dass ich hier Erasmusstudentin wäre und man mich in keinster Form darauf hingewiesen hatte, bat er mich meine Telefonnummer und E-mail zu hinterlassen und meinte, dass er mir innerhalb der nächsten Stunden bescheid geben würde. Ja, so war es dann auch. Ich bekam zwar keine Eintrittkarte mehr, aber dafür wurde ich in den gleichen Topf geschmissen, wie die Studenten die es verpeilt haben sich die Karte zu besorgen, somit vom Abendessen verbannt wurden, d.h. erst um 21.00 Uhr kommen durften, obwohl der Ball um 19.00 begann, aber dennoch den vollen Preis von 4500 Ft. zahlen sollten. Genau gerechtnet lohnt es sich nicht 4500 Ft. für eine Party auszugeben die von 9 bis 2 Uhr morgens ging, auch wenn die Getränke dabei gewesen sind. Es sollte wohl, wie der Student der mich anrief erläuterte, eine Art Bestrafung für die nachlässigen Studenten sein, wobei ich hier eine Ausnahme sei, da ich als einzige nicht davon wusste. Dennoch konnten sie diesem Umstand nicht trennen, da es als unfair angesehen würde, wenn denn nun eine Studentin doch früher kommen durfte. BLA BLA BLA. Fakt war: Entweder ich lasse mich für nichts bestrafen oder ich geh nicht hin. Eindeutig ein prinzipielles Problem. Aber nicht mal mein prinzipielles Verständnis hätte meine Neugier einschränken können. Also ging ich hin. J
Und ich habe es nicht bereut. Es war ein wunderbarer Abend. Diesesmal richtig (=Elegant) gekleidet und zurecht gemacht ging ich also auf den Ball. Einfach traumhaft. Aus Frauenaugen beurteilt hätte sich wohl jede Frau in diesen Räumen wie eine Prinzessin fühlen können. Ein weißer Spiegelsaal mit hoher Decke, wunderschönen Wandverzierungen und Stuck. In der mitte ein Prunkvoller Kronleuchter mit gut 1000 Kristallen bestückt. Wie im Märchen. Man würde nie glauben, dass an einem solchen Ort Studenten feiern. Der Saal war zum Anlass mit bunten Lichtern beleuchtet – Es spielte ja nach der Big Band und dem Büfé ein DJ, zu dessen Musik gut das Tanzbein geschwungen wurde.
Ich habe seeeeeeeeeeeehr viele neue Leute kennengelernt. Diesmal waren sogar 2 Erasmusstudenten darunter. Alle sind sehr freundlich, offen und warmherzig. Es treffen hier ganz eindeutig auch 2 Kulturen zusammen, d.h. die Deutsche und die Ungarische. Man kann den Unterschied richtig gut erkennen und ich muss gestehen... ich fühle mich hier allein schon deswegen sehr gut und Zuhause von beiden Seiten aus. Eine seltsame Situation, wenn man beide Mentalitäten versteht und dann das Aufprallen der 2 Kulturen beobachten kann.
Die meisten Studenten sind Deutsche oder Österreicher von überall. Es gibt allerdings auch eine beachtlich hohe Zahl an ungarischen Studenten, die die deutsche Sprache sehr gut beherrschen. Alle die ich kennengelernt haben, haben schon einen abgeschlossenen Abschluß, sei es einen Magister oder Diplom/Bachelor. Und auch im Alter sind die meisten im Schnitt gut 2-5 Jahre älter als ich. Wirklich interessant. Es stört mich aber nicht im geringsten, wie ich anfänglich dachte. Es sind wie es mir scheint alles Menschen mit einer sehr interessanten Persönlichkeit, mit denen man, wie ich gestern am Weinfestival erkennen durfte, auch sehr interessante Diskussionen führen kann.
Und so kann ich auch schon auf das nächste coole Event überleiten. Das „Borfestival“. Ja, war auch einfach nur Spitze. Die Hinfahrt war vielleicht ein bisschen eng, da wir ein letztes Stück noch mit dem Bus gefahren sind und sich in einen kleinen Ikarus Bus der ohnehin vielleicht nur 7m in seiner Länge misst, ungefähr 70 Personen reinquetschten, nur, wie sich später herausstellte, nicht die Treppen hochlaufen zu müssen. Es waren wahnsinnig viele Menschen auf diesem Fest. Man zahlte 2200 Ft. Eintritt, bekam ein Weinglas mit einer, um den Hals hängbare Tasche, und 2 Coupons. Demnach perfekt ausgestattet, erkundete man Schritt für Schritt den Burgeingang, den Innenhof und die abermals wunderbare Aussicht auf die Elisabethbrücke und das Parliament bei Nacht. Dicht nebeneinander reihten sich die kleinen Weinstände, die nach Regionen Ungarns geordnet waren. Die aus diesen Regionen stammenden Weine wurden dort zum Testen angeboten und falls man ein Glas trinken wollte, konnte man das im Gegensatz von Coupons tun. Ein Coupon kostete 100 Ft. und abhängig vom Wert des Weines war die Anzahl der zu bezahlenden Coupons variabel. Je wertvoller der Wein, desto mehr Coupons musste man zahlen. Es sei denn man ist hübsch, eine Frau, und sucht Beratung ;)
Die Atmosphäre von diesem Weinfest war absolut toll. Ein Kommilitone bewunderte nur die tolle Art und Weise des ungarischen Vorglühens. Die Weine haben sehr gut beschmeckt. Und das Beste an der Sache war, dass man die Möglichkeit hatte sehr viele verschiedene Weine miteinander sehr gut zu vergleichen und herauszufinden, worauf man genau bei Weinen zu achten hat. Wirklich eine tolle Erfahrung für jeden der sich nur ein bisschen für Weine interessiert und diesen auch gerne trinkt. Ein Pflichtwein an diesem Abend war natürlich der Tokalyier Wein. Wobei der süße Dessertwein, den meisten Jungs zu süß war.
Es war viel zu kalt an dem Abend und um ein bisschen in Bewegung zu kommen, sind wir von der Burg zu Fuß heruntergelaufen. Über die Elisabethbrücke spaziert. Einfach ein wunderschönes Panorama! Ich hab bereits mit einem Freund abgesprochen mal eine nächtliche Fototour zu unternehmen, denn es wäre einfach nur zu schade diese Ausblicke nicht festzuhalten! So richtig traumhaft schön!
Karkalaken sind mir immer noch nicht begegnet. Dafür höre ich von Jungs, die in einer Jungs-WG wohnen ganz andere Sachen. Die haben sich schon einen Spitznamen für diese Viecher ausgedacht, die sogenannten Kakis. J Die sollen dort durch kleine Risse in der Wand hereinschlüpfen und es sich in der Wohnung bequem machen.
Ach ja, und mit dem Blumenhändler hab ich mich auch schon angefreundet. Feilschen funktioniert an solchen Orten, wie an diesem Markt sogar noch an dem ein oder anderen Stand sehr gut. Auf jeden Fall eine sehr familiäre Atmosphäre.
Morgen beginnt der erste Unitag. Ich weiss von den anderen Studenten das Mikroökonomie stattfindet. Leider habe ich das schon belegt, dennoch werde ich da mal zukucken. Nur aus Neugier. Würde gerne mal sehen, wo die Unterschiede in den Lehrmethoden liegen.
Ich stelle, mir heute einfach mal eine Liste an Kursen zusammen die mich interessieren und die ich vielleicht einbringen kann, und gestalte demnach meinen Stundenplan.
Soviel für heute! Ich hoffe es geht euch allen gut und schicke erneut ganz liebe Grüße aus dem zauberhaften Budapest!
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