Samstag, 13. September 2008

HALLO IHR LIEBEN!!

Die ersten Tage hier sind natürlich super spannend. Man kennt die Stadt ja so noch nicht. Es gibt einfach zu vieles zu Entdecken und man weiss nicht wo man beginnen soll. Außerdem kommen noch organisatorische Dinge dazu, wie: Wo finde ich Internet, Das Einschreiben an der Uni und im Allgemeinen die Erkundung deines Wohnbereiches ist auch ein Abenteuer für sich. Ich wohne jetzt nämlich in einer typischen kleinen Altstadtwohnung im Herzen von Budapest. Der Eingang der Wohnung mündet in ein kleines zur Küche offenes Vorzimmer. Die Küche ist klein. Aber für alle Zwecke einfach nur perfekt. Klein, modern und vor allem... was mir auch am Besten gefällt.... Sie hat einen Gasherd! Das heisst: Ich koche auf offenem Feuer! Yeah! Endsgeil. Da kannste wenigstens die Hitze richtig gut bestimmen. Ein wesentlich turbulenteres Kochen, aber wenigstens wartet man keine 2 Stunden bis dann mal ein Topf Wasser brodelt, wie’s bei den meisten Elektroherden so üblich ist.

Von der Küche gelangt man in ein super süsses kleines Bad. Ich persönlich finde die Dusche absolut toll. Ich habe immer nur ein kleines Problem.... die Wohnung ist so hoch gebaut, dass ich so gut wie nie an die großen Fenster herankomme! Das ist voll ätzend. Ich, mit meinen 1,63 cm kann höchstens in meinen Träumen da hochfliegen wie Peter Pan. Jetzt hab ich heut morgen die Vorhänge aufgemacht, die sind mit Klammern gaaaanz weit oben befestigt, und dabei den einen Zwicker scheinbar überlastet. Der hat natürlich sofort losgelassen... mhhh den kann ich jetzt auch nur wie ein Zwerg den Riesen ankucken. Egal. Die Vorhänge sind ja im Wohnzimmer. Dort befindet sich die aus Holz bestehende MiniGalerie. Dort kann ich jede Nacht zum Träumen hochklettern und mich von Musik berieseln lassen.

Ich muss gestehen.. die erste Übernachtung war schon ziemlich komisch. In diesem Wohnkomplex wohnen sehr viele Leute unter anderem auch ganz viele Studenten. Das ist total super. Dennoch. Alle Fenster und Türen sind mit Gittern versehen. Manche Bewohner haben nicht nur vor oder an den Fenstern Gitter, sondern noch ein vorderes Gitter an der Eingangstür, das sich nach links und rechts auf- und zuschließen lässt. Also insgesamt 3fach verriegelt. Die meisten Türen haben im Durchschnitt auch 2 Schlößer an der einfach Tür. Zunächst den normalen Haustürschlüssel und dann noch ein aus Stahlstangen befestigtes Schloß. Die Stahlstangen schieben sich in die seitlichen Türrahmen und versperren die Tür quer. Ich glaube es ist an dieser Stelle jetzt ziemlich unnötig zu erwähnen, das die Diebstahlrate hier dann doch ziemlich hoch sein muss.

Ich habe mich mit der Hausdame hier auch schon anfreunden können. Mensch eine typische Budapester alte, vielleicht sogar gerissene, aber sicherlich neugierige Dame, wie aus dem Bilderbuch. Nach ihren Erzählungen wurde sie seit dem sie hier wohnt (das ist denke ich eine etwas längere Zeit) 5 mal ausgeraubt.

Die erste Nacht... wir hatten in Budapest 32 Grad Hitze und das noch um 9 Uhr Abends. Diese speichert sich ja ziemlich gut in den kleinen Appartments hier. Allein schon deshalb war es ziemlich schwer ein Auge zu zu tun. Aber nicht nur die Hitze... auch der Lärm! Man hört echt alles durch. Der Aufzug is so alt, dass beim betreten der Boden erst 15 cm hinunter sinkt und einen riesen Krach veranstaltet. Es hört das ganze Haus, wenn jemand ankommt, sei es auch um 4 Uhr morgens. Die Lichter gehen dann ständig an. Deshalb sind Vorhänge mehr als nötig. Naja und wenn man sich nicht ins Schaufenster stellen will, da die Nachbarschaft ja das beste BIG SISTER in meiner Wohnung erleben könnte, sind Vorhänge unverzichtbar.

Mittlerweile hab ich mich daran gewöhnt und fühle mich in diesem Großstadtchaos so langsam so richtig wohl und fange an die kleine Wohnung als Zuhause zu empfinden. In die Stadt hab ich mich schon am Anfang verliebt. Die Leute sind hier alle sehr hilfsbereit, aufgeschlossen und sehr witzig. Es hat auf jeden Fall Vorteile die Sprache zu können, aber auch mit Englisch oder Deutsch findet man sich hier bestens zurecht. Oftmals sogar besser mit Deutsch als mit Englisch. Aber ganz egal welche Sprache... nach meinem Gefühl sind die meisten hier sehr neugierig auf deine Herkunft und so entsteht oftmals ganz schnell ein Gespräch und eine Bekanntschaft.

Einkaufen mach hier wahnsinnig Spass! Fast schon vor meiner Haustür steht ein riesiger Bazar, der größte Einkaufsmarkt von Budapest. Dort kann man so ziemlich alles kaufen was der Bauch/Magen zu begehrt. Seeeeeeeehr viel frisches Fleisch, Salami, Gemüse und Obst bis hin zu traditionellen ungarischer Tracht und Handarbeiten, Lederprodukte, Fisch, Käse, Haushaltsmittel, Getränke, Süssigkeiten, frisches Gebäck... einfach alles was man zum Leben braucht. Mir ist aufgefallen, dass hier die Grundnahrungsmittel ziemlich günstig sind. Da hab ich gestern beim Einkauf von 5 Tomaten, 3 Paprika, 3 Zitronen, und 500g Weintrauben gerade mal 330 Ft. gezahlt, was ein bisschen über einem Euro liegt. Dafür sind Fleischprodukte wesentlich teuerer.

Habe gestern außerdem noch den Gellért Hegy (Berg) unsicher gemacht. Eigentlich wollte ich schwimmen gehen im bekannten Gellért Fürdö (Bad), aber als ich gesehen habe, dass der Eintritt da 3200 Ft. kostet, habe ich dieses Luxusbad auf einen späteren Zeitpunkt verlegt, an dem ich den ganzen Tag in dieser wunderbaren Badeanstalt verbringen kann. Stattdessen also die Wanderung. Und die hat sich allemal gelohnt. Ein wunderschöner Ausblick auf das Parlament ist vom höchsten Punkt gegeben. Dort befindet sich auch die Citadella, die 1848-49 zum Erinnerung an den Freiheitskampf erbaut wurde. Der Gellért Hegy verbirgt viele ruhige Plätze im Grünen, die einem die Möglichkeit geben sich aus dem stressigen Stadtleben ein bisschen zurück zu ziehen, wenn man möchte. Scheinbar ist dieser Berg, mit seinen vielen verwinkelten und versteckten, und zauberhaften Aussichtspunkten auch ein gefundenes Plätzchen für verliebte Paare, denn nicht mal in Paris sind mir soviele Liebespaare begegnet wie an diesem Ort. Aber auch genau das macht diesen Berg so zauberhaft.

Gestern war ich nun zum 3. Mal an der Uni um mich endlich anzumelden. Eigentlich war ich schon am Vortag da. Da hatte aber das Studienreferat keine Sprechzeit und so hat man mich einfach weggeschickt. Da war ich ein bisschen verärgert und schon ein bisschen darauf eingestellt, dass ein zickiger Sekretärinnenhaufen auf mich warten würde, wenn ich dort am nächsten Tag erscheinen würde. Dem war aber gar nicht so! Diesmal war ich aber auch in der Gesprächszeit drin ;). Nein, quatsch. Ich bin noch nie so zuvorkommend und hilfsbereit empfangen worden wie dort (das jetzt mal im Bezug auf Sekretariate).

Sobald ich sagte, dass ich Erasmusstudentin aus Regensburg sei, schicke man mir eine Assisstentin die Erasmusstudierende betreute. Sehr sympatisch, witzig und kompetent. Die stellte mir dann auch gleich einen Studentenausweis aus. Dazu brauchte ich allerdings Passfotos, die ich natürlich nicht bei mir hatte. So hab ich mich einfach schnell auf den Weg gemacht um so einen Fotokasten zu finden. Kein Problem, hab in der Post nachgefragt, die hat mich dann zur Metrostation geschickt und nach nicht allzu langer Suche stand ich dann vor diesem Uralten Ding. Grau, ohne besondere Knöpfe oder Bilder, Beispiele wie das Bild denn dann aussehen würde... nix. Ein großer grauer Kasten mit Möglichkeit Geld einzuwerfen.

Vor mir stand auch schon ein Typ, der mit großen, fragenden Augen die Maschine anstarrte. Es stellte sich später heraus, das er ein Franzose aus Paris, der hier auf die „Governance School“ für ein paar Monate ging, und sich für Budapest entschieden hat, weil ihm die Stadt sehr gut gefiel, aber auch seine Freundin hier wohne und er so in ihrer Nähe sein konnte. Wie romantisch!!! Aber eigentlich hatte er einen ziemlich doofen Ausdruck im Gesicht, weil er nicht wusste ob ihn das graue Ding da, jetzt verarscht hat oder einfach immer noch seine Bilder entwickelt. Naja ich habs auf gut Glück, obwohl er da noch wartete einfach mal ausprobiert, für 700 Ft. 4 Passbilder zu machen ist jetzt kein Vermögen.

Habe also das Geld nach einander eingeworfen und mich paralell mit dem Franzosen unterhalten und ein bisschen rumgescherzt. Sobald ich die letzte 100 Ft. Münze einwarf, hats aber dann schon geblitzt!!! Und dann gleich wieder! Ey 4 Nacheinander. So bin ich jetzt auf dem ersten Bild im Profil abgelichtet! Das hat die Assisstentin dann, weil sie das so lustig fand, als Foto für den Studentenausweis benutzt. Mhhhh. J Bin jetzt echt gespannt, ob ich mich dann, wenn ich einen Studentenrabatt möchte erstmal meinen Kopf zur Seite drehen muss und mich von meinem Profil zeigen muss! J

Wo ich unbedingt noch hingehen möchte ist das „Irish Cat Pub“! Hey.... Oberhalb des Pubeingangs befindet sich eine sitzende Katze mit Flügeln auf dem Rücken. Und ich habe gelesen, dass dort regelmäßig, sehr coole Bands auftreten sollen. Außerdem gibt es hier vom 17.-21. September das „Mol-Jazz-Festival“ YAY!!!!!! Und das so gut wie vor meiner Haustür!

Ich habe ja schon erwähnt, dass die Leute sehr kontaktfreudig sind und sie dir auch gerne helfen. Da ich ja kein Internet zuhause habe, gestaltet sich alles organisatorische und ein wenig schwieriger. Vor allem ist der super tolle Vorteil des Internets einfach ohne nicht wirklich auszuschöpfen. D.h. kein Skype oder ähnliches, solange ich nicht an der Uni den Anschluss freigeschalten bekomme. Bis dahin laufe ich nun regelmäßig... was heisst regelmäßig, bisher warens vielleicht 2x zu einem nahegelegenen Café, dessen Idee es ist Kunst zu leben und zu fördern. So erscheinen dort laufend Kunstwerke von mehr oder weniger bekannten Künstler, begleitet von waaaaaaaaaahnsinnig guter Jazz/Blues und Lounge Musik. Die haben dort Internet und ich hab mich dort bereits mit sämtlichen Personal angefreundet. Der Koch kennt mich jetzt auch schon.... irgendwie macht das ein bisschen Angst... aber total nett und zuvorkommend sind die dort. Der eine Kellner, mit dem ich ins Gespräch gekommen bin, hat demnächst vor nach Dublin zu gehen und dort zu arbeiten. Da bin ich ja mal gespannt, was er so auf die Beine stellen wird. Auf jeden Fall eine interessante Persönlichkeit und auch wahnsinnig freundlich. Von solchen Leuten bekommt man wohl die besten Tipps, was das alltägliche Leben betrifft, wo man sich Nachts lieber nicht alleine aufhalten sollte und in welchen Vierteln die Karkalaken wohnen ;) Jep, diese Viecher! Aber egal. Bisher ist mir noch keine begegnet. Ich hoffe auch, dass das so bleiben wird.

Mein nächstes Ziel wird die Margitinsel sein. Das soll angeblich DAS Grün der Stadt sein, wo man jegliche Sportart im Freien, wie Laufen ausüben kann. Außerdem gibt es dort eine große Schwimmhalle. Hoffe die haben nicht ganz so hohe Preise wie das Gellért Bad. Schade eigentlich, weil das Gellért Bad ein Katzensprung weit entfernt ist.

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